„Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Zwischen 2010 und 2012 setzte sich die Gemeinde in einer Zukunftswerkstatt und in zahlreichen Gruppen intensiv mit der Frage auseinander, was das Gemeindeleben prägt, welche Ziele es leiten sollen und wie diese Ziele praktisch umgesetzt werden können.
Ziel und Entstehung des Leitbildes
Das Leitbild wurde vom Gemeindekirchenrat am 15. November 2012 beschlossen. Es sollte Orientierung für das geistliche Leben, die Zusammenarbeit und die zukünftige Entwicklung der Gemeinde geben.
Schon bei seiner Verabschiedung war vorgesehen, die Aussagen nach einigen Jahren zu überprüfen und bei Bedarf weiterzuentwickeln. Neben Grundsätzen enthält das Leitbild deshalb auch konkrete Ideen und Projekte, die als mögliche nächste Schritte verstanden wurden.
Situation in Hohen Neuendorf, Stolpe und der Gemeinde
Das Leitbild beschreibt Hohen Neuendorf Anfang der 2010er Jahre als wachsende Wohn- und Gartenstadt am nördlichen Rand Berlins, geprägt von vielen zugezogenen Familien und einer vergleichsweise jungen Bevölkerung. Stolpe wird als historisch gewachsenes Dorf beschrieben, das nach 1989 um neue Wohngebiete erweitert wurde und zugleich ein Ziel für Ausflügler ist.
Für die Kirchengemeinde nennt die damalige Fassung rund 2.600 Gemeindeglieder und zwei sehr unterschiedliche Kirchen: die mittelalterliche Dorfkirche Stolpe und die 1909 eingeweihte Kirche in Hohen Neuendorf. Das Gemeindeleben wurde von hauptamtlicher Arbeit und einem breiten ehrenamtlichen Engagement getragen.
Ein wichtiger Teil des damaligen Prozesses war die Frage, wie Haupt- und Ehrenamtliche gut zusammenarbeiten, wie Menschen für Mitarbeit gewonnen und begleitet werden und wie die unterschiedlichen Frömmigkeitsstile und Erfahrungen innerhalb der Gemeinde miteinander verbunden werden können.
Grundsätze
Geistliches Zentrum
Der Gottesdienst wird als Kern des Gemeindelebens verstanden. Er soll Menschen trösten, ermutigen, herausfordern und ihnen Gottes Wort für ihren Alltag zusprechen. Zugleich berücksichtigt das Leitbild die Vielfalt der Gemeinde und nennt unterschiedliche Gottesdienstformen für Familien, Jugendliche, Kinder und festliche Anlässe.
Gemeindeglieder sollen Möglichkeiten erhalten, Gottesdienste mitzugestalten. Musik spielt dabei eine besondere Rolle: Kirchenchor, Posaunenchor, Kinderchor und weitere Gruppen erschließen den Glauben auf ihre eigene Weise und wirken in Gottesdiensten und Konzerten mit.
Das geistliche Leben soll nicht auf den Sonntag begrenzt bleiben. Auch Gruppen und Kreise sollen Formen für Andacht, Gebet, Bibellesen, gemeinsames Singen und Gespräche über Glaubenspraxis finden. Kinder und Jugendliche sollen altersgerecht an den Glauben herangeführt und Erwachsene bei Taufe und Glaubensfragen begleitet werden.
Die beiden Kirchengebäude werden als sichtbare geistliche Orte verstanden. Offene Kirchen sollen Menschen Gelegenheit zu Stille, Gebet, Begegnung und Information geben.
Seelsorge und Anteilnahme
Das Leitbild nimmt die ganze Spannweite menschlichen Lebens in den Blick: Freude und Leid, Gesundheit und Krankheit, Geburt und Sterben, Gelingen und Scheitern, Gewissheit und Zweifel. Gemeinde soll Menschen in diesen Situationen begleiten und ihnen die Hoffnung des Glaubens zusprechen.
Taufe, Konfirmation, Trauung, Abendmahl, Bestattung und persönliche seelsorgerliche Gespräche werden als wichtige Formen dieser Begleitung beschrieben. Persönliche Begegnung, Besuche, Fürbitte und praktische Hilfe sollen dazu beitragen, dass Menschen nicht allein bleiben.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Kranken, älteren Menschen und Gemeindegliedern, die nicht mehr selbstständig am Gemeindeleben teilnehmen können. Der damalige Text nennt Besuchsdienst, generationenübergreifende Begegnungen sowie Ideen für Gottesdienstgrüße und Fahrdienste.
Gemeinschaft
Gemeinschaft entsteht nach dem Leitbild aus gemeinsamem Glauben, gemeinsamem Tun und gemeinsamen Erinnerungen. Offenheit gilt ausdrücklich auch Menschen, die neu hinzukommen, andere Biografien mitbringen oder anders denken und glauben.
Gemeinschaft soll über persönliche Sympathie hinausreichen. Gruppen, Feste, Freizeiten, Musik, gemeinsames Essen und Gottesdienste schaffen Räume dafür, ohne dass alle alles gemeinsam tun müssen.
Ein besonderes Ziel war die Verbindung zwischen Generationen sowie zwischen langjährigen und neu zugezogenen Gemeindegliedern. Genannt werden unter anderem Willkommensfeste, Tauferinnerung und Gottesdienste zu Konfirmationsjubiläen. Auch gemeinsame Jahresthemen sollten die verschiedenen Gruppen stärker miteinander verbinden.
Zusammenarbeit in der Gemeinde
Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeit werden als unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Formen des Dienstes verstanden. Menschen sollen ihre Begabungen einbringen können, ohne dass Mitarbeit zur dauerhaften Überforderung wird.
Dazu gehören klare Aufgaben, nachvollziehbare Erwartungen, Absprachen über Zeit und Umfang sowie eine gute Vorbereitung. Fortbildungen innerhalb der Gemeinde, im Kirchenkreis und in der Landeskirche sollen Mitarbeitende stärken.
Großen Wert legt das Leitbild auf regelmäßigen Austausch zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, Anerkennung der jeweiligen Arbeit und eine verlässliche Begleitung. Probleme und Möglichkeiten einzelner Arbeitsbereiche sollen im Gemeindekirchenrat transparent besprochen werden.
Da nicht jede wünschenswerte Aufgabe gleichzeitig geleistet werden kann, soll der Gemeindekirchenrat Prioritäten setzen, Entscheidungen begründen und diese gegenüber der Gemeinde nachvollziehbar machen.
Bewahrung der Schöpfung
Die Verantwortung für Gottes Schöpfung wird als Teil christlichen Handelns verstanden. Der damalige Text nennt dazu sehr konkrete Bereiche: Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß der Gebäude, umweltgerechte Heizung und Beleuchtung, mögliche Dämmmaßnahmen und die Nutzung von Ökostrom.
Auch im Alltag der Gemeinde sollen Ressourcen geschont werden. Genannt werden umweltfreundliche Verbrauchsmaterialien, Recyclingpapier, die Vermeidung von Einwegverpackungen, sparsamer Verbrauch, fair gehandelte Produkte sowie Abfallvermeidung und Mülltrennung.
Das Leitbild verbindet diese praktischen Maßnahmen mit Bildungsarbeit: Gemeinde und Einzelne sollen ihr eigenes Verhalten reflektieren und durch glaubwürdiges Handeln auch über die Kirchengemeinde hinaus Wirkung entfalten.
Außenwirkung
Die Gemeinde möchte Menschen in Hohen Neuendorf und Stolpe einladen und bei ihrer Suche nach Glauben, Sinn und Orientierung ansprechbar sein. Gottesdienste, Konzerte, Feste, Bildungsangebote und Seelsorge werden dabei als unterschiedliche Zugänge verstanden.
Ökumenische Zusammenarbeit, Kontakte zu Nachbargemeinden und internationale Partnerschaften gehören ebenso zum Selbstverständnis wie die Verbindung zur Kommune. Öffentlichkeitsarbeit über Gemeindebrief, Schaukasten, Website und regionale Medien soll das Gemeindeleben sichtbar machen.
Das Leitbild nennt darüber hinaus Kooperationen mit Schulen und Kindertagesstätten sowie die Idee, kirchliche Angebote für Familien weiterzuentwickeln. Es sieht in der Offenheit vieler Menschen gegenüber Kirche und Glauben eine Chance für Begegnung und Gespräch.
Bitte um Gelingen
Am Ende steht nicht ein organisatorischer Maßnahmenkatalog, sondern die Bitte um Gottes Segen. Das Leitbild versteht die Gemeinde als Gemeinschaft evangelischer Christinnen und Christen in Hohen Neuendorf und Stolpe und zugleich als Gemeinde Jesu Christi.
„Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.“ Psalm 90,17
Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Hohen Neuendorf-Stolpe · November 2012